
Eine kulturelle Website hat mit Einschränkungen zu kämpfen, die die meisten Web-Navigationsleitfäden ignorieren: temporäre Programme, die sich jeden Monat ändern, heterogene Zielgruppen (Schüler, Touristen, Abonnenten), Online-Ticketing gekoppelt mit physischen Kapazitäten und gesetzliche Anforderungen an die Barrierefreiheit, die seit 2025 verstärkt wurden. Die Optimierung der Navigation einer solchen Website erfordert, dass man misst, was nicht funktioniert, bevor man irgendetwas umstrukturiert.
Absprungrate und Besuchstiefe: zwei Metriken, die die Schwächen der Navigation aufzeigen
Auf einer kulturellen Website reicht die Absprungrate allein nicht aus, um ein Strukturproblem zu diagnostizieren. Ein Besucher, der die Seite einer temporären Ausstellung aufruft und dann die Website verlässt, hat möglicherweise genau das gefunden, wonach er suchte. Die Besuchstiefe (Anzahl der Seitenaufrufe pro Sitzung) ist ein ergänzender, zuverlässigerer Indikator zur Bewertung der Qualität des Besuchs.
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| Indikator | Was er misst | Alarmzeichen für eine kulturelle Website |
|---|---|---|
| Absprungrate | Anteil der Sitzungen mit nur einer Seite | Hoch auf den Seiten „Praktische Informationen“ ohne Link zum Programm |
| Besuchstiefe | Durchschnittliche Anzahl der Seiten pro Sitzung | Unter 2 Seiten, wenn das Ticketing unter 3 Menüebenen versteckt ist |
| Austrittsrate auf der Ticketseite | Anteil der Besucher, die die Website von dieser Seite verlassen | Hoch, wenn der Kaufprozess vom Rest der Navigation getrennt ist |
| Interne Suche ohne Ergebnis | Suchanfragen im Suchfeld der Website, die nichts zurückgeben | Häufig, wenn die Menübezeichnungen nicht dem Vokabular des Publikums entsprechen |
Die Kombination dieser vier Metriken ermöglicht es, zu identifizieren, ob das Problem strukturell (zu tiefe Baumstruktur), lexikalisch (unverständliche Menübezeichnungen) oder funktional (Ticketing, das vom Besuchsprozess getrennt ist) ist.
Ein konkretes Beispiel: Bei der Untersuchung der Organisation der Bozar-Website sieht man eine Struktur, die Programm, Ticketing und redaktionelle Inhalte in einem lesbaren Sitemap verbindet, was die Anzahl der Klicks reduziert, die erforderlich sind, um von der Entdeckung einer Veranstaltung zum Kauf eines Tickets zu gelangen.
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Baumstruktur einer kulturellen Website: Die Regel der drei Klicks reicht nicht aus
Die berühmte „Regel der drei Klicks“ wird oft als Ziel für das Design genannt. Für eine kulturelle Website stellt sie ein spezifisches Problem dar: Das Programm ist von Natur aus dynamisch. Eine temporäre Ausstellung muss ebenso schnell zugänglich sein wie eine ständige Sammlung, obwohl sie in zwei Monaten nicht mehr existieren wird.
Das Permanente vom Temporären im Hauptmenü trennen
Die klassische Falle besteht darin, temporäre Ausstellungen in einem Untermenü „Programm“ zu platzieren, das selbst ein Kind von „Entdecken“ ist. Der Besucher, der über eine Suchmaschine auf die Startseite gelangt, muss dann diesen Weg erraten. Das Hauptmenü muss deutlich zwischen ständigen Sammlungen und laufendem Programm unterscheiden, mit einem direkten Zugang von der ersten Navigationsebene.
Menübezeichnungen: Das Vokabular des Publikums, nicht das der Institution
Die Systematisierung von Bezeichnungen stellt ein wiederkehrendes Problem im Kulturbereich dar. „Aktivitätszentren“, „Vermittlung“, „Dokumentationsressourcen“ sind interne Begriffe, die nicht den Anfragen der Besucher entsprechen. Den institutionellen Jargon durch handlungsorientierte Bezeichnungen zu ersetzen („Buchen“, „Ausstellungen ansehen“, „Mein Besuch vorbereiten“) reduziert die internen Suchen ohne Ergebnis.
- Die Menübezeichnungen mit einer Gruppe von Besuchern testen, die mit der Website nicht vertraut sind, und sie bitten, eine bestimmte Information zu finden (Sortierung nach Karten)
- Die Suchanfragen im internen Suchfeld analysieren, um die Begriffe zu identifizieren, die das Publikum tatsächlich verwendet
- Das Hauptmenü auf sechs oder sieben Einträge beschränken, um kognitive Überlastung auf mobilen Geräten zu vermeiden
Digitale Barrierefreiheit und Navigation: die gesetzlichen Anforderungen seit 2025
Die Umsetzung des European Accessibility Act durch das Gesetz Nr. 2023-171 vom 9. März 2023 und den Erlass vom 9. Oktober 2023 hat den Umfang der Barrierefreiheitsanforderungen erweitert. Die Websites öffentlicher Kultureinrichtungen (Museen in Frankreich, Bibliotheken, öffentliche Einrichtungen) unterliegen bereits dem RGAA 4.1.x. Seit dem 28. Juni 2025 müssen auch neue digitale Dienstleistungen für die breite Öffentlichkeit diesen Anforderungen entsprechen, mit einer Übergangsfrist bis zum 28. Juni 2030 für bestehende Dienstleistungen.
Die Sanktionen wurden verschärft: Die ARCOM kann Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro, die alle sechs Monate erneuert werden können, für Verstöße von öffentlichen oder ähnlichen Dienstleistungen verhängen. Für eine kulturelle Website bedeutet dies direkte Einschränkungen bei der Navigation.
- Jede Seite muss eine Erklärung zur Barrierefreiheit und einen Feedback-Mechanismus für die Nutzer enthalten
- Die Navigation über die Tastatur muss auf allen Seiten, einschließlich Ticketing und Bildgalerien, funktionsfähig sein
- Dropdown-Menüs müssen mit Screenreadern kompatibel sein, was einige nicht konforme JavaScript-Komponenten ausschließt
- Ein mehrjähriger Aktionsplan zur Barrierefreiheit ist für öffentliche Einrichtungen obligatorisch
Im Gegensatz dazu haben kulturelle Websites im privaten Sektor (Galerien, Unternehmensstiftungen) einen flexibleren Zeitrahmen, mit einer Frist bis 2030 für bestehende Dienstleistungen. Die Konformität der Navigation ist der sichtbarste Punkt bei einem RGAA-Audit, da sie den Zugang zu allen Inhalten bestimmt.

Interne Suche und Programmfilter: der untergenutzte Hebel
Die Mehrheit der kulturellen Websites bietet eine interne Suchmaschine an, aber nur wenige nutzen sie als echtes Navigationswerkzeug. Auf einer Website, die mehrere Dutzend Veranstaltungen pro Monat anzeigt, ersetzt ein Filtersystem nach Datum, Disziplin (Musik, visuelle Künste, Konferenzen) und Zielgruppe (Familie, Erwachsene, Schüler) vorteilhaft eine Baumstruktur mit drei Ebenen.
Die interne Suchmaschine generiert auch wertvolle Daten. Suchanfragen ohne Ergebnis weisen auf fehlende Inhalte oder ungeeignete Bezeichnungen hin. Wenn „Kinderworkshop“ regelmäßig ohne Ergebnis zurückkommt, während die Website „Workshops für Kinder“ anbietet, ist das Problem lexikalisch, nicht strukturell.
Synonyme in der internen Suchmaschine zu konfigurieren und die Suchprotokolle vierteljährlich zu analysieren, ermöglicht es, die Navigationsbezeichnungen anzupassen, ohne die Baumstruktur neu zu gestalten. Diese iterative Arbeit ist kostengünstiger als eine vollständige Neugestaltung und führt zu messbaren Ergebnissen hinsichtlich der Besuchstiefe und der Konversionsrate zum Ticketing.
Die Navigation einer kulturellen Website zeichnet sich durch ihre zeitliche Dimension aus: Was heute relevant ist, verschwindet in ein paar Wochen. Die Struktur auf Nutzerpfade statt auf ein institutionelles Organigramm zu verankern und dann die Unterschiede zwischen dem Vokabular des Publikums und dem der Menüs zu messen, bleibt der direkteste Hebel, um Abbrüche vor dem Ticketing zu reduzieren.